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Mediation in der Lebensmittelwirtschaft

Das Werk „Mediation in der Zukunft – Fallbeispiele zur Konfliktlösung für die Lebensmittelwirtschaft“ von Philipp Gregor und Monika Hebeisen auf der Homepage von adribo ACADEMY vorzustellen ist von dem Gedanken getragen, es insbesondere für diejenigen zu empfehlen, die sich noch am Beginn ihrer Tätigkeit als Mediatoren / Mediatorinnen befinden.

Gerade in der Ausbildung zum zertifizierten Mediator / zur zertifizierten Mediatorin stehen regelmäßig Fallbeispiele, Übungen und Rollenspiele aus den Bereichen Familienrecht, Erbrecht, Nachbarschaftsrecht, Schulrecht, Baurecht oder Vereinsrecht auf der Agenda, gelegentlich auch einfache Konfliktkonstellationen aus dem Arbeits- und Unternehmensbereich, die im weitesten Sinne dem Wirtschaftsrecht zugeordnet werden können. Dass jedoch auch das eher abseits zu verortende Lebensmittelrecht und mithin das Gebiet, mit dem sich das hier zu besprechende Werk „Mediation in der Zukunft“ befasst, ebenfalls ein mediationsgeeigneter und -lohnender Bereich ist, dürfte den wenigstens Auszubildenden wie auch ihren Ausbildern bewusst sein.

Um so verdienstvoller, dass die beiden Autoren Gregor und Hebeisen aufzeigen, wie Unternehmen in der Lebensmittelbranche (aber auch in anderen Bereichen) Konflikte durch eine Mediation kostengünstiger und zeitsparender lösen können.

G = U – K (Gewinn gleich Umsatz minus Kosten) ist dabei ihr Credo, mit dem sie das Verfahren der konsensualen Streitbeilegung anhand zahlreicher Beispielsfälle eindrucksvoll und gut nachvollziehbar erläutern. Das gilt für Streitigkeiten zwischen Lieferanten aus diesem Bereich ebenso wie für Konflikte der dort beschäftigten Arbeitnehmer, für Auseinandersetzungen zwischen Gesellschaftern von Unternehmen wie auch für Verbraucherstreitigkeiten und Kontroversen zwischen Mitbewerbern.

Jeweils nach dem gleichen Aufbau, was die Vergleichbarkeit erleichtert und den Wiedererkennungseffekt begünstigt, schildern sie zunächst ein Konfliktbeispiel, um dann einen vertiefenden Blick auf die Konflikt-Reibungskosten zu werfen, was gerade von betroffenen Unternehmen gerne ausgeblendet wird. Sodann zeigen sie auf, wie die jeweils durchgeführte Mediation im Einzelnen abgelaufen ist, welche Besonderheiten und Schwerpunkte sie auszeichnete, um dann zu erläutern, was ein gerichtlicher Streit im jeweiligen Konflikt bedeutet und insbesondere gekostet hätte. Den Abschluss bildet dann stets eine Darstellung der Kosten-Konsequenz mit den jeweiligen betriebswirtschaftlichen Konsequenzen.

Was in keiner ernsthaften Mediationsschrift fehlen darf findet sich selbstverständlich auch in dem vorliegenden Ratgeber: Dazu zählen Ausführungen zum Verantwortungsmanagement ebenso wie zu den einschlägigen Erkenntnissen aus der Konfliktforschung, zum Ablauf einer Mediation und zu den Mediationsprinzipien, aber auch ein kurzer historischer Abriss mit Hinweis auf den Westfälischen Frieden. Letzterer ist wohl dem Umstand geschuldet, dass der Mitautor als Fachanwalt in Münster tätig ist. Und dennoch enthält auch dieser kurze Abschnitt einen äußerst interessanten Hinweis, den der Autor aus der lateinischen Bezeichnung der Friedensverträge ableitet: Instrumentum Pacis Monasteriensis – IPM – (bzw. Osnabrugensis – IPO -) bedeutet auf deutsch Instrument des Friedens aus Münster (bzw. aus Osnabrück), womit die damaligen Vertragsparteien deutlich machen wollten, dass „die verhandelten Ergebnisse also nicht als Endpunkte, sondern als Instrumente, mit anderen Worten als Hilfestellungen und Prozessanleitungen, um den Frieden künftig herzustellen“ (S. 47), zu verstehen waren (Zum seinerzeitigen venezianischen Diplomaten und Mediator Alvise Conatarini, der den Westfälischen Frieden aushandelte, siehe den Beitrag hier).

Lobenswert schließlich die Darstellung und das Musterbeispiel einer Mediationsklausel und der Sonderproblematik: Verjährungsrisiko. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Informiertheit der Medianden einerseits als auch des Problems, durch wen rechtliche Fragen beantwortet oder gar überhaupt in das Mediationsverfahren eingebracht werden sollen. Die Autoren empfehlen den Weg, offene rechtliche Fragen jeweils im back-office – in aller Regel also durch Rechtsanwälte – klären zu lassen. Ein gangbarer Weg unter vielen (vgl. insoweit auch die Vorschrift des § 2 Abs. 6 Satz 2 MediationsG).

Die Schrift schließt ab mit einer Reihe von Vorschlägen, wie bei auftretenden Auseinandersetzungen vorgegangen werden sollte, den To-Do`s im Konfliktfall.

Fazit der Autoren: „Es gibt in einer immer komplexeren Welt keine einfachen Antworten mehr – aber es gibt mehr Möglichkeiten, durch gemeinsame Kommunikation Herausforderungen zu meistern“ (S. 79).

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Gregor/Hebeisen, Mediation in der Zukunft, 1. Aufl. 2021, 92 Seiten, ist erschienen im Behrs’s Verlag, ISBN: 978-3-95468-753-4, zum Preis von Euro 49,50 zzgl. MwSt.

Eine Frage bleibt zum Schluss: G = U – K. Ob da die Kalkulation des Verlags hinsichtlich des Verkaufspreises aufgeht?

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